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Buchprojekt der KF-Uni Graz zum Thema Bürgerbeteiligung jetzt erschienen

Das Buchprojekt der Karl-Franzens-Universität Graz "Mediation und BürgerInnenbewegung" mit Beiträgen zum Thema Bürgerbeteiligung im urbanen Bereich, herausgegeben von Sascha Ferz, Hanna Salicites und Stefan Storr, ist nun erschienen. Verfasst wurde das Werk im Rahmen der URBAN FUTURE Global Conference 2014. Unser Conference Manager Gerald Babel-Sutter hat das Vorwort geschrieben, welches Sie unten als Blogeintrag finden.
Eine Leseprobe des Buches finden Sie hier und Infos zum Buch hier.

Vorwort aus "Mediation & BürgerInnenbeteiligung. Konsensorientierte Verfahren im urbanen Bereich":

Kennen Sie den? Fliegen zwei Planeten aneinander vorbei und grüßen sich.
„Hey altes Haus“, sagt der eine. „Wie geht es dir?“ „Ach“, antwortet der andere seufzend, „Nicht so toll. Ich habe Homo Sapiens.“ Darauf der erste aufmunternd: „Mach Dir nichts draus, das geht vorbei!“

Es ist für mich immer wieder eine recht ernüchternde Erkenntnis, dass wir Menschen weniger die Krönung der Schöpfung sind, als wohl eher als total verrückt abgestempelt werden müssen. Es gibt auf der Erde keine an deren Lebensformen, die ihren eigenen Lebensraum derartig systematisch vernichten, wie wir Menschen. Wir müssen uns nur kurz vor Augen führen, was wir in dem winzigen Zeitfenster von nicht einmal zwei Jahrhunderten alles „geschafft“ haben: Der Großteil aller natürlichen Ressourcen des Planeten ist aufgebraucht, ganze Regionen durch unsere verseuchten Abfälle nahezu unbewohnbar und das größte Ökosystem der Erde – das Meer – steht kurz vor dem Kippen. Ja, wir verändern sogar unser Klima und haben nicht einmal die geringste Ahnung, welche Konsequenzen das mit sich bringen wird.

Wann immer ich darüber nachdachte, spürte ich schnell meinen Trotz hochkommen: Es konnte doch nicht sein, dass wir Menschen weiterhin so tun, als wäre alles bestens und unbeirrt – und sogar immer schneller – mit der Zerstörung des Planeten fortfahren?
Mehr als ein Jahr lang machten wir uns also auf die Suche nach dem Hoffnungsschimmer: nach Personen, Projekten und Initiativen, die zeigen, dass wir Menschen auch anders können. Wenn es – so unser Ansatz – bereits heute Mittel und Möglichkeiten gäbe, um wirklich nachhaltig zu leben, dann wäre das doch ein Grund zur Hoffnung. Das Ergebnis war eindeutig: Es gibt viele Gründe, hoffnungsvoll zu sein. In Kalifornien fanden wir einen groß angelegten Wohnpark mit 600 Wohnungen, der selbst bei einem westlichen Lebensstil mehr Energie produziert, als er verbraucht. Selbst in der Bankenmetropole Frankfurt setzt sich die größte Wohnbaugesellschaft für nachhaltiges Wohnen ein und hat bereits mehr als 3.000 Wohnungen im Passivhaus-Standard errichtet – und das zu inzwischen nur noch vier Prozent höheren Errichtungskosten gegenüber herkömmlichen Wohnungen. Vier Prozent! Und Kopenhagen mauserte sich innerhalb von rund 15 Jahren zur Fahrrad-Metropole Europas. Heute nutzen dort mehr EinwohnerInnen das Fahrrad als den öffentlichen Verkehr oder Autos. Täglich werden unvorstellbare 1, 27 Millionen Kilometer geradelt. Wir fanden hunderte solcher Beispiele: in Metropolen mit mehreren Millionen EinwohnerInnen genauso wie in mittelgroßen Städten oder in ländlichen Gemeinden.

Die erstaunliche Erkenntnis unserer zahlreichen Gespräche und Telefonate mit Verantwortlichen von Städten auf der ganzen Welt war jedoch, dass man in vielen Fällen überhaupt nichts von den vielen Innovationen anderenorts wusste. Nicht selten arbeiteten Städte gerade an Projekten, von denen man dachte, sie wären Pionierprojekte, wohingegen aber bereits viele andere Städte längst Erfahrung damit hatten. Somit werden also in Städten auf der ganzen Welt immer wieder dieselben Räder neu erfunden. Die Chancen stehen dadurch nicht schlecht, dass dabei meist auch dieselben Fehler nochmals gemacht werden. Was für eine Verschwendung von Ressourcen!

Bereits heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten –2050 sollen es bereits zwei Drittel sein. Nachhaltigere Städte wären somit ein wichtiger Etappensieg. Wenn wir es nun schaffen könnten, dass dieselben Fehler nicht tausendfach auf der ganzen Welt wiederholt werden und sich dadurch die Geschwindigkeit deutlich erhöht, mit der Städte nachhaltiger werden, ja dann hätten wir etwas erreicht.

Das war die Geburtsstunde der URBAN FUTURE Global Conference:
Eine internationale Plattform, wo sich EntscheiderInnen aus Städten untereinander austauschen, über Erfolge und Misserfolge unterhalten, gelungene und weniger gelungene Projekte skizzieren oder Erfolgsfaktoren teilen. Im Rahmen der Vorbereitungen für die erste Konferenz kam uns aber eine weitere, spannende Erkenntnis: Viele Städte hatten wirklich tolle Projekte am Start, um nachhaltiger zu werden – hervorragend ausgearbeitet, wissenschaftlich fundiert, professionell aufgesetzt und absolut stimmig. Und doch scheiterten sie oftmals spektakulär bereits kurz nach der ersten Veröffentlichung am harten Widerstand der BewohnerInnen. Welche sind die Gründe, dass in einer Metropole wie London die Citymaut für Autos relativ unspektakulär eingeführt wird, wohingegen in zahlreichen anderen Städten deutlich weniger ambitionierte Projekte binnen kürzester Zeit sterben? Ein Grund liegt klar auf der Hand: Kommunikation. Daran bzw an deren Ermangelung scheitern unzählige Projekte, bevor sie überhaupt begonnen haben. Die meisten Nachhaltigkeitsprojekte haben etwas mit Veränderung zu tun: Veränderung von Prozessen, Veränderung von Verhalten oder beidem. Wird ein solches Projekt – so „gut“ es objektiv gesehen auch sein mag – schlecht kommuniziert, so tendieren dessen Erfolgschancen gegen Null.

Aus diesem Grund hatten wir bereits in einer frühen Planungsphase der Konferenz beschlossen, dem Thema der „richtigen“ Kommunikation mit BürgerInnen einen hohen Stellenwert einzuräumen. Was helfen die besten Projektideen, wenn fehlgeleitete Kommunikation durch eine Stadt bei diesem Thema dann nur verbrannte Erde hinterlässt?

Unter Federführung eines Teams der Karl-Franzens-Universität Graz führten wir im Rahmen der ersten URBAN FUTURE Global Conference im November 2014 ein höchst erfolgreiches Symposium durch, das TeilnehmerInnen aus ganz Europa anzog und zu intensiven Debatten führte.
Wie kommen demokratische Entscheidungen zustande? Wie kann Konsens in einer Stadt erreicht werden bzw sollte beim Anstoß von Veränderungsprozessen überhaupt auf Konsens Wert gelegt werden? Wie sollten Städte ihre Entscheidungsprozesse gestalten, wie ihre BürgerInnen einbinden und welche konsensfördernden Maßnahmen haben sich in der Praxis bereits bewährt?
Dieses Buch fasst die Beiträge der ExpertInnen zusammen, die im Rahmen des Symposiums sprachen. Es gibt Ihnen als LeserIn einen exzellenten Überblick über die unterschiedlichsten Spannungsfelder, die Dynamiken von Entscheidungsprozessen in Städten und die praxiserprobten Ansätze. Rufen Sie sich diese Inhalte immer wieder in Erinnerung. Sie werden Ihnen bei Projekten in Ihrer Stadt eine mehr als wichtige Hilfestellung bieten und die Chancen Ihres Projekts deutlich verbessern.
Jetzt müssen Sie es nur noch starten!

Gerald Babel-Sutter, Conference Manager der URBAN FUTURE Global Conference

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