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Blog / Der Papst und der Klimagott

Der Papst und der Klimagott

Als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche ruft Papst Franzikus in seiner neuen Enzyklika zur ökologischen Bekehrung auf und mahnt, die Welt stehe vor Zukunftsfragen, die absolut keinen weiteren Aufschub mehr dulden können. Doch hört die Welt auf den Mann im Vatikan und vor allem, wie reagiert sie?

Die zweite Enzyklika von Papst Franziskus trägt den Titel „Laudato si“ (Gelobt seist du) und den Untertitel „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“. Erinnert der Titel zunächst nach Lagerfeuerromantik im Jungscharlager, ist die rund 220 Seiten und sechs Kapitel starke Umwelt-Enzyklika weit mehr als das.

Zum ersten Mal stellt ein Papst ökologische Fragen in den Mittelpunkt eines für Katholiken so verbindlichen päpstlichen Dokuments. Der Papst wendet sich dabei zugleich an „alle Menschen guten Willens“ und findet zudem harte Worte für Politik und Wirtschaft.

 

Unser Wirtschaftssystem fährt die Menschheit an die Wand

Denn mit den herrschenden Maximen eines rein technologischen Fortschrittsglaubens, gepaart mit einem rein auf Gewinn ausgelegten Wirtschaftssystem und Moralvorstellungen, wonach sich jeder selbst der Nächste ist, fahre die Menschheit die Welt und sich selbst an die Wand, so die eindringliche Warnung des Papstes.

Nicht nur ruft er die Weltgemeinschaft zu einem fundamentalen Umdenken und jeden Einzelnen zu einem umweltbewussten und nachhaltigen Lebensstil auf, er kritisiert auch die sehr spärlichen Ergebnisse internationaler Klimakonferenzen.

Doch welche Bedeutung hat es, wenn der oberste Hirte aus Rom den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel nicht nur anerkennt, sondern auch noch unterstützt und nachhaltige Veränderungen einfordert? Braucht die Welt tatsächlich den Öko-Pontifex, wenn die Solaranlage am eigenen Dach schon zum guten Ton gehört? Die Antwort ist einfach: Ja, sie braucht ihn!

 

Papst setzt dort an, wo sich die Zukunft des Planeten entscheiden wird

Es ist kein Zufall, dass die Promotion-Tour des Papstes für seine Enzyklika ihn diesen Sommer zunächst nach Asien und später Amerika führen wird. Denn nicht nur die Zukunft des Katholizismus liegt in Asien, Afrika und Amerika.

Genau dort befinden sich auch die boomenden Ballungszentren, die durch die zunehmende Umweltzerstörung und den Raubbau an natürlichen Ressourcen in den nächsten Jahrzehnten wesentlich zur Verschlechterung des Weltklimas beitragen werden. In den nächsten 35 Jahren wird die Bevölkerung in diesen Regionen um mehr als 3 Mrd. Menschen wachsen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Vereinten Nationen, trotz Kritik des Papstes, die Enzyklika als „positives Zeichen für die Umwelt und den Klimaschutz loben“. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief sogleich alle Regierungen der Welt auf, das Wohl der Erde über nationale Interessen zu stellen und beim Klimagipfel in Paris in diesem Jahr ein ehrgeiziges Abkommen zu verabschieden.

Umweltorganisationen weltweit begrüßen den Vorstoß erwartungsgemäß aber auch von politischer Seite in Deutschland erhielt Franziskus Anerkennung für sein provokantes Lehrschreiben: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) würdigte die neue Enzyklika als Ansporn für alle, die sich für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen. Sie hoffe, seine Argumente überzeugten insbesondere die „konservativen Kreise, die die enorme Brisanz des Klimawandels kleinreden wollen“.

Das dürfte allerdings ein frommer Wunsch bleiben. Der sich selbst als gottesfürchtig beschreibende amerikanische Präsidentschaftsbewerber der Republikaner Jeb Bush ließ bereits verlautbaren, dass er sich in seine Wirtschaftspolitik nicht von Bischöfen oder vom Papst reinreden lasse. Wie die Mehrheit der Republikaner glaube er zwar daran, dass sich das Klima verändere, aber nicht, dass der Mensch an sich daran Schuld habe.

Wir lernen daraus, dass der Glaube zwar scheinbar imstande ist, Berge zu versetzen, aber nur dann, wenn es gerade ins wirtschaftliche Konzept passt.

 

 

 

 

 

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