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Blog / Wie Deutschlands Dörfer gegen ihr Verschwinden ankämpfen

Wie Deutschlands Dörfer gegen ihr Verschwinden ankämpfen

Der demografische Wandel hat nicht nur Auswirkungen auf die Städte, er lässt im Umkehrschluss ganze Dörfer schrumpfen oder sogar ganz von der Landkarte verschwinden. Deutschlands ländliche Gemeinden stellen sich gegen diesen Trend und lassen sich mitunter kuriose Gegenmaßnahmen einfallen.

Etwa 65 Prozent der Bevölkerung und 71 Prozent der Arbeitsplätze befinden sich mittlerweile in den Ballungsräumen und stellen die Verantwortlichen der Städte vor immer neue und umfassendere Herausforderungen. Denn der Zuzug in die großen europäischen Städte hält ungebrochen an. Angesichts dieser Entwicklung und der allgemeinen wirtschafts- und sozialpolitischen Lage geht es immer häufiger schlicht um die Wahrung der Grundversorgung und Bestandssicherung sowie den Ausbau sozialer Infrastruktur.

Auf dem Land dagegen kämpfen Dörfer europaweit um ihr Überleben. Das allgemeine Schrumpfen der Bevölkerung sorgt für fehlende Investitionen der bestehenden Infrastruktur und ein Abbau der Grundversorgung. Im Nordrhein-Westfalen erwarten Experten einen Rückgang der Dorfbewohner von bis zu 20 Prozent. Dr. Alexander Klee, Raumforscher und Umweltplaner an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg spricht gar davon, dass einige Dörfer in seinem Landkreis gar nicht mehr geben wird. Neben der Attraktivität der im Bundesland befindlichen Großstädte Düsseldorf, Köln und Bonn liegt der Grund des Dörfersterbens am stetigen Verlust an Bevölkerung. Die so genannte „Stadtflucht“, bei der in der Regel besserverdienende Bevölkerungsschichten die Städte verlassen, um sich im Umland oder in den Vororten der Städte anzusiedeln, bleibt ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Vor allem der Osten und die Mitte Deutschlands sind vom Bevölkerungsschwund betroffen. Um dieser Abwärtsspirale zu entkommen, zeigen sich die Verantwortlichen mancher Dörfer zunehmend erfinderisch.

So wie die 4700 Seelen Gemeinde Leidersbach in Unterfranken. Baulücken und ungenutzte Häuser werden erfasst und deren Nutzung oder Bebauung von der Gemeinde belohnt. Familien, die in das Dorf ziehen, bekommen dafür 4.000 Euro, für jedes Kind gibt es noch einmal 1.000 Euro als Draufgabe. Familien, die über einen Ortswechsel nachdenken, wird der Zuzug nach Leidersbach so mit bis zu 10.000 Euro schmackhaft gemacht.

Ottenstein in Niedersachen verschenkt stattdessen Bauland, um die bestehende Einwohnerzahl von 1166 Ottensteinern steigen zu lassen. Wer unter 40 ist, Familie hat und den Bau binnen drei Jahren startet, kann sich über geschenkten Grund und Boden freuen.  

Im oberfränkischen Teuschnitz hat man sich die ortseigene Flora und Fauna zu Nutze gemacht. Weil hier die gefährdete und unter Naturschutz stehende Arzneipflanze Arnika wächst, baute man im Ort kurzerhand die erste deutsche Arnika-Akademie. Sie soll Arbeitsplätze schaffen, Apotheker und Heilkundler anlocken und Teuschnitz so vor dem Bevölkerungsschwund bewahren. Ob die Heilpflanze nun auch gegen diese grassierende Krankheit wirkt, bleibt abzuwarten.

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